Kgl.priv. Hauptschützengesellschaft Regensburg gegr. 1442

 

Chronik von 1442 bis heute

Das Gründungsjahr der Kgl. priv. Hauptschützengesellschaft Regensburg 1442 wurde von den Vorfahren auf Grund einer, bei dem Stadtchronisten CH. G. Gumpelzhaimer vorgefundenen Eintragung festgesetzt. Sie lautet: " Den Schützen wurde ein Geschmeid verehrt und das gewöhnliche Jahresgeschenk, jedem ein paar Hosen bewilligt."

Da der Chronist 1766 - 1841 gelebt hat, kann davon ausgegangen werden, dass die Festsetzung des Gründungsjahres vor ca. 160 - 170 Jahren (also 1830) erfolgte. Im Vergleich zu in Deutschland üblichen Verfahren zur Fixierung von Gründungsjahren alter Schützengilden und -gesellschaften, darf man den Ahnen der Gesellschaft eine seltene Bescheidenheit bescheinigen. Wie bereits die Vorgeschichte beweist, wäre einem früheren Gründungsjahr nichts entgegen gestanden.

Da eine protokollähnliche Erfassung der Vorgänge in der Gesellschaft erst mit dem Jahre 1607 beginnt, ist der Verfasser auf Informationen der Stadtchronisten angewiesen, um die Zeitspanne von 1442 bis 1607 mit Leben zu füllen. Aus Platzgründen sind nur die wichtigsten Vorgänge angeführt. Es wird sich Gelegenheit ergeben die Fülle der Informationen in anderer Form darzulegen.

1443 findet ein großes Schießen statt, dem "Tuch als Vorteil gegeben wird"

1444 wurden einige Schützen zu einem Schießen nach Augsburg abgestellt

1448 finden in Ulm und Neumarkt größere Schießen statt. Im selben Jahr sind zu Regensburg kleinere Schießen zu melden, die ein Uhrmachermeister, ein Büchsenmeister und ein Meister Andre auf ihre Kosten ausrichten.

1456 hält die Stadt ein Schießen ab, das dem "Sekel" mehr als 43 Pfund kostet

1457 findet ein Schießen statt, dass viele fremde Zuschauer anlockt und bei dem auf Scheiben geschossen wird. Dies ist der erste Hinweis, dass zu Regensburg auf Scheiben geschossen wurde, leider ist die Schießstätte nicht angegeben.

1458 nehmen Schützen der Stadt an einem Schießen in Nürnberg teil

1459 rafft die Pest 6300 Einwohner der Stadt hinweg

Aus dem selben Jahr ist eine Verordnung bekannt, die die Büchsen und Armbrustschützen neben Anderen anlässlich des Fronleichnamszuges in vollem Harnisch und bewaffnet zum Spalier an die Tore beordert. Vom Ostentor, wo sie als erstes Aufstellung zu nehmen hatten, mussten sie quer durch die Stadt, in voller Rüstung, eilenden Schrittes, zum Jakobstor, um vor Eintreffen des Zuges dort anwesend zu sein.

Beim Vorbeiziehen des Allerheiligsten, wurde ihnen das Niederknien erlassen, ein Senken des Hauptes war aber verlangt. Auch das Sitzen in voller Rüstung war nicht gestattet, die Stadtväter sorgten sich anscheinend, das es dem Vollgerüsteten nicht mehr möglich sei nach dem Niederknien oder dem Sitzen wieder aufrechte Haltung anzunehmen. Ein anstrengender Tag für unsere Vor- fahren.

1465 wurde eine Bitte der Schützen, auf Durchführung eines Schießens, vom Rat wegen anhaltender Unruhen in der Stadt, abschlägig bedacht.

1470 kam mit Kaiser Friedrich dem III. auch der Kurfürst von Brandenburg in die Stadt. Die Schützen gaben ihm zu Ehren ein Schießen.

1501 wurden einige Schützen, die "gegen Stokart" zum Schießen zogen, der übliche Wegzehr verweigert, da die Stadtkasse sehr in Nöten war. Aus dieser Zeit finden wir folgende Notiz:

"Die Städte wetteiferten in älteren Zeiten, welche die besten Schützen auf die öffentlichen Schießen schicken könnten".

Welcher Stellenwert solchen Schießen beigemessen wurde, geht aus folgenden Zwischenfall hervor:

"auf hiesiger Schießstatt wurde einem Landshuter Bürger Hans Schreger das Büchsenschießen versagt, weil er mit zwei Ulmer Bürgern in Streit geraten war". Herzog Georg persönlich verwendete sich per Schreiben für den Landshuter und bat um Zulassung zum Schieße. Eine Einladung zu einem Schießen nach Plauen wurde wegen der "schweren Läufe" ablehnend beschieden.

1509 wird berichtet: „an das altübliche Herkommen sich haltend, hat der Rath zu dem diesjährigen Schießen zu Augsburg den Büchsen und Armbrustschützen den sogenannten Vorteil jedem einen gezeichneten Rock in roter Farbe bewilligt“

1511 aus Anlass der Bepflanzung des durch einen Orkan verwüsteten Lindenplatzes (heutiger Stadtpark) trifft der Chronist eine sehr bedeutende Feststellung.

„Die verschiedenen Gesellschaften der Schützen waren auch bürgerliche Vereine, der Freundschaft und der Bruder-liebe gewidmet. Sie  pflegten zu dieser Zeit noch ihre Schießübungen in den Graben zur rechten und linken Seite des Jakobstores zu halten“.

„Auch die Knaben durften an diesem Kurzweil teilhaben, das sie zugleich zu guten Schützen und Verteidigern ihres Herdes bilden sollte. Sie schossen mit Eiben (Schnapperl oder Pfeilschießen), formierten eine eigene Gesellschaft und erhielten aus der Hilfskasse der Stadt jährlich 24 Schill.Pfennig.“

Die Aussage bestätigt zweifelsfrei, dass die verschiedenen Gesellschaften , wahr- scheinlich schon längere Zeit, eine eigenständige Vereinsstruktur vorzuweisen hatten.

 1514/15 scheint die Aufteilung in Armbrust und Feuerschützen endgültig abgeschlossen. Letztere nannten sich „Privilegierte Pürsch-Büchsen-Schützen“. Auch scheint um diese Zeit die Schießstätte „Unter den Linden“ ent- standen zu sein.

1517 wird vermutlich ein Schießen zu Ehren Herzog Albrechts v. Mecklenburg und Marktgraf Casimirs gehalten.

1518 dergleichen in diesem Jahr zu Ehren der Herzöge Friedrich und Ott Heinrich sowie des Pfalzgrafen Johann

1519 zu Ehren des Bischofs v. Freising wird ein „Freyschießen“ und um Galli ein anderes Hauptschießen veranstaltet.

1535 kennen wir ein Ladeschreiben zu einem „Schießen beider Geschoss“, weitere Informationen fehlen (siehe Anhang).

1599 wird seitens des ehrbaren Kammerers und des Rates der Stadt die erste Schützenordnung für die Büchsenschützen erstellt.

1607 bis zu dieser Zeit finden regelmäßig Schießübungen statt; zu diesen wird mit klingendem Spiel und rot-weißen Fahnen zur Schießstätte unter den Linden gezogen.

1615 wird auf Befehl des „Rathes“ mit der Muskete zu schießen begonnen.

1628 2.Fassung der Püchsen-Schützen-Ordnung durch den „Hohen Rath“.

1630 muss das Schießen eingestellt werden, die Schweden nähern sich, die Schießanlage wird abgebrochen oder bei der Belagerung ruiniert und verbrannt.

1636 die Feuerschützen nehmen das Schießen wieder auf.

1641 aus dieser Zeit wird eine Schießstätte am Unteren Wöhrd an der Stelle des späteren Pestlazarettes nachgewiesen.

1641 erfolgt der 1.Nachtrag zur „Püchsen-Schützen-Ordnung“.

1642 wird eine neue 60 Schuh lange und 30 Schuh breite Schießbahn erbaut.

1646 2.Nachtrag „Mit der Musqueten, Zur Schützen-Ordnung“.

1652 ein Schießhaus wird errichtet, ab diesem Zeitpunkt finden Schießen ununterbrochen statt. Die vorhanden Aufzeichnungen (im Museum der Stadt) lassen sich exakt geführte Abrechnungen eine rege Inanspruchnahme der Schießstätte erkennen.

1660 3.Nachtrag zur „Püchsen-Schützen-Ordnung“

1711 Schützen Ordnung für die „Pürstpichsen Schützen“

1719 4.Nachtrag zu der „Schützenordnung 1711“

1741 ist eine Aufstellung beigegeben, die in einer Schützenlade einen „silbernen Becher“ mit vergüldeten Deckel, einen silbernen Adler und 17 Schilder als Bestand erwähnt“ (wahrscheinlich die Königskette“

1742/43 wird auf „Gemeiner Stadt Schießstatt“ wegen der Franzosen und Österreicher, die um die Stadt mit ihren Truppen herumziehen, nicht geschossen

1743 beginnt der jährliche Schießplan wieder

1748 übernimmt das Fürstenhaus von Thurn und Taxis das Protektorat über die Gesellschaft der Pürsch-Büchsen-Gesellschaft in Regensburg das bis in die heutige Zeit ununterbrochen besteht

1762 wird eine Vogelstange errichtet und in diesem Jahr zweimal auf den Vogel geschossen

1763 beteiligen sich die Pürsch-Büchsen-Schützen am großen Friedensschießen der Armbrustschützen mit feierlichen Schützenauszug und Glückshafen.

1766 ein Freudenschießen und Schützenaufzug anlässlich der Huldigung für König Josef II. Der Platz unter den Linden hat soviel Volk schwerlich schon gesehen. Mit Erlaubnis Sr. Durchlaucht des kaiserlichen Prinzipial-Kommissar Fürst von Thurn und Taxis, marschiert die Schützenkompanie am fürstlichen Palais vorbei. Von den Türmen der Stadt wird mit Trompeten geblasen und es wird bis Abends 9.00 Uhr aus „Pöllern“ geschossen.

1769 Freudenschießen für Fürstbischof Graf Fugger zu der „Se Hochfürstliche Gnaden geruhte 165 Gulden zu solennen Schießen überreichen zu lassen“. Der feierliche Auszug der Schützen hatte wie gewöhnlich am Zeugamt seinen Anfang führte an der bischöflichen Residenz vorbei und endete am Schießplatz „unter den Linden“.

1774 Erbauten die Pistolenschützen mit Genehmigung des Rathes ein Schießhaus aus Stein. Es durfte dort kein Wirtschaftsbetrieb stattfinden, so die Auflage der Stadt.

1788 folgten die „Pürschbüchsen-Schützen“ einer Einladung der Armbrustschützen zu einem Festzug, anlässlich einer Jubelfeier für das Stahlschießen anno 1586

1790 Freudenschießen anlässlich der Huldigung für Fürstbischof Josef Conrad von Schroffenberg mit großem Festzug, vorbei an der bischöflichen Residenz. Der Bischof hatte 100 Conventionstaler als Geschenk überreicht und nahm selbst am Schießen teil.

1791 Fand ein Huldigungsschießen zu Ehren des Allergnädigsten Kaisers Leopold II. auf „Haupt, Kranz, Glück und Hirsch“ statt

1795 wurde die Schießanlage erneuert und eine andere Einteilung vorgenommen

1796 musste das Schießen wiederum eingestellt werden, wegen des bereits 6 Jahre währenden Krieges mit den Franzosen

1797 wurde zwar bis 11.Mai wieder geschossen, musste dann aber bis

1804 unterbrochen werden.

 Aus diesem Jahr gibt es Korrespondenz mit der Stadt wegen einer Verlegung der Schießstätte bzw. deren Neugestaltung. In diesem Jahr findet auch ein Huldigungsschießen für Fürst – Primas Carl Theodor statt.

 1807 Gab dieser dann ein Freischießen

1809 musste wegen des Krieges und der Belagerung und Besetzung der Stadt alles Schießen eingestellt werden

1810 stand die Stadt bereits unter der Regierung Seiner Majestät des Königs Max Joseph von Bayern; die Schützengesellschaft verblieb in ihren Rechten und im Bezuge des „Schützenvortels“ von 50 fl. (=Gulden)

1813 wurde wegen Verschuldung ein Silberschatz der Gesellschaft versteigert, um dringenden Verpflichtungen nachkommen zu können

1815 konnte das Jahresschießen ab 1.September wieder begonnen werden

1816 anlässlich der Geburtstagsfeier Seiner Majestät des Königs findet ein Festschießen auf Haupt, Kranz, Glück und Hirschscheibe statt

1819 ergeben sich Differenzen mit der Polizeidirektion wegen der Benutzung der Schießstätte  und des bislang gewährten Vorteils. Hier findet sich auch eine Notiz, dass schlechtes Bier ausgeschenkt worden sei und die Schützen berechtigt seien, selbst Bier im Fasse einzulegen. (siehe Anhang)

1824 ließ der Magistrat ein Freischießen zur Feier des Regierungsjubiläums des Königs Max Joseph mit Auf- und Einzug abhalten

1825 übergeben sich die Bolzbüchsenschützen ihre Gesellschafsfahne an die Pürschenbüchsenschützen

1826 findet ein Hauptfreischießen zur Feier des Geburts- und Namensfestes Seiner Majestät des Königs Ludwig I. statt

1828 Freischießen zur Vermählungsfeier des Herzogs Karl Wilhelm v. Württemberg mit Herzogin Sophie von Württemberg vom Stadtmagistrat gegeben am 16.Mai 1827. Ein Schütze trug die grüne Fahne aus dem Jahre 1624 beim Festzug mit

1830 wurde zu Ehren des allerhöchsten Besuches der Stadt durch seine Majestät König Ludwig und Königin Therese ein Festschießen und ein Festzug gehalten. Anlass des Besuches war die Grundsteinlegung zum Bau der Walhalla

1833 ein Reskript der k. Regierung weist auf die Verbindlichkeit der altbayerischen. Schützenordnung von 1796 hin. Damit ist die Schützenordnung der Stadt außer Kraft gesetzt.

1834 fand in Anwesenheit der Königin Karoline von Sachsen sowie des Herzogs Max von Bayern und anderen höchsten Herrschaften ein Festzug der Schützen und Innungen statt.

1836 kommt es zu Differenzen mit der Stadtgemeinde wegen Eigentumsverhältnissen, die aber

1839 in einem neuen Vertrag der beim Kgl. Kreis- und Stadtgericht protokolliert wurde, bereinigt wurden

1847 überließ die Schützengesellschaft dem Liederkranz Regensburg den Schießplatz zur Abhaltung des Sängerfestes 25.-27.Juli.

1852/53 Im Juli 1852 findet ein Festschießen bei der Anwesenheit ihrer Königlichen Majestäten von Bayern statt

1853/54 die Pürschbüchsen - Schützengesellschaft nimmt die Bezeichnung „Hauptschützengesellschaft Regensburg“ an

1856 am Pfingstdienstag findet ein anlässlich des 25-jährigen Schützenjubiläums des Büchsenmacher  Anton Kuchenreuther ein Jubelschießen statt.

1860 Jubiläumsschießen anlässlich der 50-Jahr-Feier der Einverleibung der Stadt Regensburg in das Königreich Bayern

1861 Gründung des Deutschen Schützenbundes 11.07.1861

1862 wurden 2 Kuchenreuther Pistolen als Geschenk für das Schützenfest in Frankfurt gegeben

1865 wurden neu Feldziele erstellt

1872 übernahm seine Durchlaucht Fürst Maximilian von Thurn und Taxis mit höchst vormundschaftlicher Genehmigung der Erbprinzessin Helene, Königliche Hoheit, an Stelle seines höchstseligen Vaters die Ehrenmitgliedschaft und die Protektion der Korporation

1873 ändert man den Modus des Kranz- und Hauptschießens, um den schwächeren Schützen günstigere Konkurrenz zu geben

1876 Johannisschießen, wozu seine Durchlaucht Fürst Maximilian von Thurn und Taxis einen Beitrag leistete

1878 25-jähriges Schützenjubiläum von Adam und Jakob Kuchenreuther mit Jubelschießen

1879 Jubiläumsschießen anlässlich des 25.Schützenjubiläums seiner Königl. Hoheit, Herzog Maximilian von Württemberg

1880 spendet Seine Durchlaucht, der Fürst von Thurn und Taxis als Protektor der Gesellschaft eine Ehrengabe zum Bayer. Bundesschießen in Straubing.

Im selben Jahr wurde das Geburtstags- und Namensschießen zu Ehren Seiner Majestät des Königs Ludwig II. und das Wittelsbacher Jubiläumsschießen abgehalten.

1882 Zum deutschen Bundesschießen spendet Fürst Maximilian von Thurn und Taxis sowie Herzog Max von Württemberg und die Mitglieder der Hauptschützen insgesamt 210 Mark.

Der langjährige Schützenmeister Hr. Kommerzienrat Bezold Ritter des Michaelisordens I. Kl. Gibt ein Jubiläumsschießen zum 25 Schützenjubiläum.

1883 Festschießen zur Feier des Regierungsantrittes Seiner Durchlaucht des Fürsten Maximilian von Thurn und Taxis, des hohen Protektors der Hauptschützengesellschaft. In diesem Jahr wird die Schießstätte mit neuem Kugelfang und Standzielen für 180 Schritte oder 131m Entfernung, mit 10 Scheibenständen, gemauerten Zieler- und Laufgraben, sowie 3 Scheibenständen auf dem Feldziele versehen. Zur Finanzierung werden 250 Aktien à 10 Mark an die Mitglieder ausgegeben.

1886 am 30. Und 31.Mai war das erste Festschießen der vereinigten Schützen von Regensburg und Passau. Nach Vereinbarung soll jedes Jahr ein solches Schießen mit wechselnden Austragungsort abgehalten werden. (Es scheint sich hier um ein Verbrüderungsschießen gehandelt haben, wie sie auch heute noch gelegentlich gibt)

1887 wurde ein größerer Betrag zum Deutschen Bundesschießen von den Mitgliedern gestiftet.

Zu Ehren Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten Luitpold, der die Stadt mit seiner Anwesenheit beehrte, wurde ein Festschießen gehalten unter Beteiligung der Stadt.

1888 Vereinsschießen von Regensburg und Passau

8.Bayerisches Bundesschießen

25-järiges Jubiläumsschießen in München

Seit dieser Zeit ist der Bayerische Schützenbund in sogenannter ruhender Aktivität.

1890 Ein projektiertes Vermählungsschießen musste wegen Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit Erbprinzessin - Witwe Helene von Thurn und Taxis verschoben werden.

1891 wurde das Vermählungsschießen nachgeholt zu dem Seine Durchlaucht wertvolle Preise und einen hohen Betrag zur Verfügung stellte. Auch die Stadt Regensburg trug erheblich dazu bei, dass ein sehr aufwendiges Schießen stattfinden konnte. Die hohen Herrschaften nahmen die Preisverteilung persönlich vor, zu der auch der k. Schützenkommissar der Hauptschützen Bürgermeister von Stobäus, der kgl. Generalmajor und Stadtkommandant Graf von Zech und alle Offiziere anwesend waren.

Das Offizier-Corps des Chevauxlegers-Regiment „Taxis“ war wegen Regiments-Exerzitien entschuldigt. Die Offiziere des kgl. Bay. 11.Infantrieregimentes, die auch mitgeschossen hatten, waren anwesend.

Seine Durchlaucht ehrte durch einen Empfang im fürstlichen Palais den 1.Schützenmeister Würth, den 2.Schützenmeister Trede sowie dessen Stellvertreter Hochapfel und Kassier Miller und überreichte jedem dieser Herren eine wertvolle Festmünze im Etui und sprach Dank und Anerkennung für die Durchführung der Festlichkeiten aus.

Die fünf Bände dieses Zeitabschnittes der Geschichte der „Regensburger Musketen und Pürschbüchsenschützen“, wie die Schützengesellschaft auch genannt wurde, sind im Archiv der Museums der Stadt aufbewahrt. Unser Mitglied Herr Dr. Dr. W. Müller  hat daraus einen Auszug erstellt, der hier teilweise wiedergegeben und mit neuen Erkenntnissen durch den Verfasser ergänzt wurde.

Der nun beginnende Band Nr.6 der Aufzeichnungen vermittelt uns erstmals auch einen Einblick in die soziale Struktur der Hauptschützengesellschaft. Handwerksmeister, Kaufleute stellen die Mehrheit der Mitglieder, gefolgt von Beamten des hohen bis mittleren Dienstes der Regierung , des Fürstenhauses und der Stadt. Gutsbesitzer, Ärzte und Militärs schließen sich an. Auffallend ist das ungewöhnlich große Einzugsgebiet, das sich fast auf ganz Bayern erstreckt. Das Fehlen der unteren sozialen Schichten sollte nicht ausschließlich als Absicht gewertet werden. Verantwortlich dürften dafür hauptsächlich materielle Gründe gewesen sein. In Regensburg und Stadtamhof existierten zu dieser Zeit viele Bolz- und Zimmerstutzengesellschaften, deren Mitglieder keine jagdlichen Ambitionen hegten und die ihrer Freude am Schießsport dort wesentlich kostengünstiger nachgehen konnten.

 Das für die Hauptschützengesellschaft, mit dem Beginn des neuen Aufzeichnungsbandes, anbrechende neue Jahrhundert brachte.

 1892 die 450-Jahr-Feier, die glanzvoll begangen wurde und an anderer Stelle ausführlich geschildert wird (siehe Anhang)

1893 zeigt die Gesellschaft eine sehr soziale Komponente. Eine große Überschwemmung im Februar, die in der Stadt und in der näheren Umgebung große Schäden und Not bringt, ist für die Mitglieder spontan die Veranlassung ein geplantes Faschingstreiben zu unterlassen und den vorgesehenen Betrag sowie persönliche Spenden, einem Notfond zu übermitteln. Herr Würth wurde zum Ehrenschützenmeister erhoben.

 101 Salutschüsse von den Höhen des Galgenberges geben die Schützen der Gesellschaft ab, anlässlich der Geburt (27.12.1893) von Erbprinz Maximilian Franz Josef von Thurn und Taxis.

 1894 übergibt das hohe Fürstenpaar persönlich die Preise eines Festschießens und die Kindstaufscheibe dem Sieger Herrn Trede. Es wird der Beitritt zum Oberpfälzer Schützenbundes beschlossen, dessen Begründer der 2.Schützenmeister Rothdauscher war. Graf Leo von Walderdorff und Freiherr von Gumpenberg, statten ein Festschießen aus. 12 Schützen nehmen teil;

Herr Trade gewinnt dabei ein wertvolles Jagdgewehr.

1895 werden 75 Salutschüsse zur Geburt des 2.Sohnes des Fürstenhauses abgefeuert. Herrn Schlossermeister Myrtha verliert die Gesellschaft durch Tod.

1896 findet auf der Schießstätte der Gesellschaft das IV. oberpfälzische Bundesschießen statt, zu dem Sr. Exzellenz Graf Fugger das Ehrenpräsidium und Bürgermeister Oskar von Stobäus das Präsidium übernehmen. 246 Schützen beteiligen sich, Straßen und Häuser sind geschmückt und die Bevölkerung nimmt regen Anteil, insbesondere am Festzug.

1898 Beteiligt sich die Gesellschaft am deutschen Bundesschießen in Nürnberg, mit erfreulichen Erfolgen kehren mehrere Schützen nach Hause zurück.

1899 Herr Direktor Empter wird 1.Schützenmeister

1900 melden sich die Mitglieder Oberleutnant Färber und Leutnant Griesheimer zum Expeditionskorps nach China.

Ein Jagdschießen wird festgelegt.

1902 weist die Gesellschaft 102 Mitglieder auf

1904 am 14.09. in einer außerordentlichen Generalversammlung werden Grundzüge einer Planung zum Erwerb eines Grundstückes und zum Bau einer neuen Schießanlage festgelegt. Zugleich werden Verhandlungen mit der „Kgl. privil. Feuerschützen- gesellschaft 1893“ Stadtamhof in Steinweg zwecks Vereinigung aufgenommen.

1906 bietet die Stadt Regensburg eine Ablösesumme von 35.000,- Mark bei Verlassen der bisherigen Schießanlage. In einem notariellen Vertrag wird festgelegt, dass der Stadt unter Wahrung der Eigentumsrechte der Gesellschaft, wertvolle Gegenstände in Aufbewahrung übergeben wurden und diese im Falle der Auflösung der Schützengesellschaft in das Eigentum der Stadt übergehen. Eine nähere Beschreibung der Gegenstände fehlt.

1907 wird in der Zeit 23.-26.06. das große Eröffnungsschießen abgehalten auf der neuen Schießanlage in Prüfening mit 358 Teilnehmern. Die Schießanlage verfügt über 130, 175 und 300 m Schießbahnen. Der Festzug findet ganz Regensburg auf den Beinen.

1909 Wird der erste Schützenkönig genannt, Herr Welk

1910 findet die Vereinigung mit den Stadtamhofer Feuerschützen statt.

1912 seine Durchlaucht Fürst Albert von Thurn und Taxis übergibt der Gesellschaft eine hohe Summe als Zuschuss zu den Kosten der Schießstätte. Herr Rothdauscher stiftet ein großes Schießen.

1913 der Gründer des oberpfälzischen Schützenbundes H.Rothdauscher wird betrauert.

1914 Kriegsbeginn „viele Mitglieder und sämtliche Militärs eilen zu den Fahnen“.

Der Schießbeginn kommt bis auf kleinere Schießen zum Erlahmen. 3 Mitglieder fallen im 1.Weltkrieg.

1917 das „475-jährige“ Jubiläum wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

1914/17 werden noch einzelne Schießen abgewickelt, denen aber der Glanz der vorgegangenen früheren Schießen fehlt. Ein echtes Zeitzeugnis sind die an die Protokolle sich anschließenden Bemerkungen der Schriftführer zu den Ereignissen während des Krieges und der nachfolgenden Zeit.

1920 wird ein sogenanntes Einwohnerschießen abgehalten, das wohl dem Zwecke diente, neue Mitglieder zu finden, um den bedrohlichen finanziellen Schwierigkeiten, in der sich die Gesellschaft befindet, zu begegnen. Umfangreiche Reparaturen stehen an, ein Hochzeitsschießen.

1921 anlässlich der Vermählung des Erbprinzen Franz von Thurn und Taxis und der Prinzessin Elisabeth von Braganza gibt Fürst Albert eine hohe Summe an die Gesellschaft.

Herr Fritz Ziegler wird Schützenkönig 1921/22, die Gesellschaft weist 162 Mitglieder auf.

1923 die Inflation macht eine Einschränkung des Schießbetriebes notwendig, die Preise für Munition und sonstige Kosten steigen ständig. Dachreparaturen werden durch die Mitglieder vorgenommen. Es fällt auf, dass die Gesellschaft nun als „Haupt-Feuerschützengesellschaft Regensburg“ bezeichnet wird.

1924 eine interessante Aufstellung und Blick in die Zeit vermittelt uns das Protokoll vom Endschießen 1924:

Schützenkönig Herr Hans Breitig

40 Ehrengaben im Werte von 50 Millionen Mark

Einlage 15 Millionen Mark

Die höchstdotierte Scheibe 128 Millionen Mark

10 Schuss auf Meister oder Adler 500.000 Mark

 Der Jahresabschluss weist einen Endbetrag von über 10 Billionen Mark aus.

1924 Die Mannschaft Bayerl Ludwig sen., Marchner H., Kuchenreuther Gg., Sterl J. und Dürnberger, erringen den 2.Platz bei der Bayerischen Meisterschaft mit 1644 Ringen.

Ster Josef gewinnt die deutsche Bronzemedaille.

Mitgliederstand 142.

1925 bereitet die Gesellschaft das 16.oberpfälzerische Bundesschießen vor, mit dem die 475-Jahrfeier des Bestehens verbunden werden soll.

Bayerl Ludwig sen.  Nimmt als erster Deutscher an einem internationalen Match in der Schweiz teil und gibt damit wertvollen Anstoß zu der Aufnahme des Deutschen Schützenbundes in die Reihen der internationalen Schützenverbände. In München und Karlsruhe belegt er jeweils den 1.Platz im Kugelschießen.

1926 das Ereignis des 16. „Oberpf. Bundesschießens“ und die Jubelfeier der Gesellschaft lassen nochmals den Glanz alter Schützenherrlichkeit erstrahlen. Sr. Exzellenz Reg. Präsident der Opf. H. TH. v. Winterstein , Oberbürgermeister Dr. Hipp, Bundesvorstand H. Zehender, geben dem Fest die Ehre. 1.Schützenmeister Schradin kann 396 Schützen begrüßen. Im selben Jahr wird das Kleinkalibergewehr in die sportlichen Disziplinen mit aufgenommen. Dem Eisenbahner-Kleinkaliber-Sportverein sowie der neugegründeten KK-Sportvereinigung werden Stände zur Benutzung vermietet.

1927 Ludwig Bayerl sen. wird 8. bei der Deutschen Meisterschaft auf Feld und Stand und 6. bei Schnellfeuer.

Hans Marchner wird 7.

Am Festzug des deutschen Bundesschießen nehmen 45 Schützen der Gesellschaft teil.

1928 sinken die Zahlen bei den Mitgliedern.

1929 3.Plätze bei den Deutschen Meisterschaften

Mannschaft Feuerstutzen: Bayerl – Bäuerlein – Sterl

KK: Hans Morchner

Pistole: Wildenauer

1930 Deutsche Meisterschaften in Köln, 1.Platz Ludwig Bayerl sen.

1931 der 1926 gegr. Kleinkaliberverband ist finanziell am Ende. Auf Bitte von General Unruh übernimmt die Hauptschützengesellschaft die Konkursmasse und die Schuldenbegleichung. Die Mitgliederzahl sinkt auf 76.

Von hier ab werden im Protokoll keine Eintragungen mehr vorgenommen. Es ist Heribert Helmich zu verdanken, dass diese im Jahre 1974 nachgetragen wurden, nachdem das Buch Nr. 6 irgendwo im Schutt des Schützenheimes im Prüfening gefunden und restauriert wurde.

 1932 die Gesellschaft hat 78 Mitglieder. Schützenmeister ist L. Schradin, Schatzmeister Josef Scheid. Leiter der KK-Schützen Herr Zangenberg und H. Georg Kuchenreuther.

1933 auf Antrag wird den Jungschützen freie Munition zugestanden. Josef Scheuerer stiftet eine Tischstandarte.

1934 Schradin 1. und Wiedemann 2.Schützenmeister treten zurück. Ein R. Mark wird 1.Schützenmeister.

Chr. Sack ist 2.Schützenmeister, Josef Scheid Schatzmeister, Schriftführer H. Schuster.

Wehrmanngewehr wird offiziell Schießdisziplin.

RT gründet KK-Abteilung. Die Schießausbildung im KK wird für Schützen unter 35 Jahre zur Pflicht.

Am 11.08.1934 wird Herr Josef Scheuerer zum Vereinsführer gewählt.

Im Zuge der Gleichschaltung müssen alte Vereinsstrukturen weichen und „neuen Ideen Platz machen“. Zu einem Abschiedsabend für dienstversetzte Mitglieder wird zum „vollständigen Erscheinen aufgefordert“.

Die Ernennung der Herrn Mark zum Ehrenschützenmeister weist dieser zurück, „da er nur seine Pflicht“ getan habe.

Zum erstenmal wird eine Versammlung mit dem sogenannten „Deutschen Gruß“ beendet.

Es traten nun grundsätzliche Veränderungen ein, es soll dem Leser überlassen sein, sich aus den Schilderungen der Folgezeit ein objektives Bild zu machen.

1935 Vereinsführer Scheuerer eröffnet die Versammlung, erschienen waren 26 Mitglieder.

Tagesordnung:        1.bayerisches Ostmarkschießen

                        1.Winterhilfswerkschießen

H. Bauer stellt den Antrag, dass die Übungsschießen wie gewohnt unter Beibehaltung der Ehrengaben und vom Verein erlegten Preisen stattfinden sollten. Herr Scheid dazu „dies sei durch den Vereinsführer Mark abgeschafft worden“. Die vom Gausportleiter Chr. Sack vorgelesene „Einheitssatzung“ des Reichssportführers wurde einstimmig angenommen.

Ein „Opferschießen“ sollte auf 3 Ständen mit Wehrmanngewehr durchgeführt werden. Ein Einwand des Schießleiters KK Herrn Marchner, man sollte das Ostmarkschießen nicht gerade an Pfingsten abhalten, weil viele Schützen doch bei ihren Familien sein möchten, wurde abgelehnt.

Mit „Schützen Heil“ wurde die Versammlung beendet.

1936 Der Kassenbericht wird mit „tobenden Beifall“ angenommen. Die vom Vereinsführer vorgeschlagenen Mitglieder für den Ältestenrat, die Erhöhung des Beitrages für Feuerwaffenschützen, die Vermietung von Ständen an die SA, die neuen Festlegungen der Schießzeiten, wurden einstimmig beschlossen. Für den Fünfkampf meldeten sich sogleich 11 Schützen. Mit „Schützen Heil“ wurde die Versammlung beendet.

1937 Wahl des Vereinsführers. Der Wahlausschuss wird bestimmt. Mit 23 Stimmen, einer Gegenstimme, wird Herr Scheuerer gewählt. Die Mitglieder waren begeistert. Der Haushaltsplan wird einstimmig verabschiedet. Mit einem „dreifachen Schützen Heil“ ist die Versammlung zu Ende.

1938 der Vereinsführer eröffnet die Versammlung mit dem „Deutschen Gruß“. Der Vorstand schlägt vor, im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 1942 keine Johannisschießen mehr abzuhalten. Auch andere öffentliche Schießen sollten nicht mehr abgehalten werden. Dann führte er aus, dass es ratsam sei, sich einen neuen Bauplatz zu suchen, es könne von höherer Stelle eine solche Auflage an den Verein gestellt werden.

Ein Pokal des Fürstenhauses wurde auf Tourschießen vergeben. Mit Dank an den Führer wurde die Versammlung mit einem dreifachen „Sieg Heil“ beschlossen.

Von nun an waren immer die Versammlungseröffnungen und deren Beendigungen mit „markigen Worten“ des Dankens und der Bekräftigung auf den Endsieg begleitet.

1939 Herr Scheid erklärt, dass die Bezeichnung „Königlich privilegiert“ gestrichen werden müsse.

Am 1.September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg.

1940 findet eine Beitragsfreistellung für die im Felde stehenden Kameraden statt. Die 16 anwesenden Mitglieder werden aufgefordert, ihre Zustimmung zum Kassenbericht durch erheben von den Sitzen anzuzeigen. Schießplanänderungen sind nicht vorgesehen.

1941 15 Mitglieder sind anwesend. Kassenbericht und Revisionsbericht werden einstimmig angenommen. Die Vorbereitungen für das 500jährige Jubiläum laufen an. Eine Stiftung dazu seitens des Fürstlichen Hauses geht als „Taxisfond“ in einen zu Gunsten des Jubiläums errichteten Sonderfond ein.

Die Belegung durch die Wehrmacht hatte Schäden an der Anlage und im Schützenheim verursacht.

Unterkreisschützenführer Scheid ermahnte zur Teilnahme an KK-Fernwettkämpfen.

1942 der Vereinsführer wies auf die 500jährige Geschichte der „privilegierten Hauptschützengesellschaft“ hin.

Herr Scheid gab in prägnanter Form seinen Kassenbericht. Herr Küfner schlägt vor, wegen des Krieges kein Schießen, sondern mit Partei und Wehrmacht einen Kameradschaftsabend abzuhalten. Herr Scheid gab bekannt, dass die Vereine, die den Zusatz „privilegiert“ führen, aufgefordert sind, dieses Privileg nach zuweisen. Die „Kriegchronik““ solle sehr ernstgenommen werden.

1943 Das Sportjahr wird als gut bezeichnet, 200 Schützen waren an 13 Schießtagen am Stand. Die Gedenkfeier zum 500jährigen Jubiläum wurde durch Delegierte der Stadtgemeinde und der Partei beehrt. Jungschützen soll die Möglichkeit gegeben werden mit Wehrmann-Gewehren zu schießen. Kreisschützenführer Scheid empfiehlt zur Nachwuchsförderung Wettkämpfe mit der Wehrmacht und rät zum Besuch von Filmen, die durch das Reichspropagandaministerium empfohlen sind.

1944 „am 25.04.1944 um die Mittagsstunde, führten feindliche Luftstreitkräfte auf die Umgebung von Groß-Regensburg Luftangriffe aus...“ so beginnt eine dem Protokoll angeführte Abfassung von H. Küfner, in der die Vernichtung der Schießanlage beschrieben ist.

Kreisschützenführer Scheid meldet an das Amt für Kriegsschäden den Verlust von Gebäude und Schießanlage, die mit zahlreichen Bombentrichtern übersät war.

Kleinodien, Schützenfahnen und wertvolle Scheiben, der Bestand der Gewehre, alles dahin.

Die Anlage und das Schützenheim waren nur noch Ruine.

EINE AERA WAR BEENDET.

1945 Auf Befehl der Militärregierung mussten nach der Kapitulation am 10.05.1945 alle Waffen abgeliefert und der Verschrottung zugeführt werden. So manches „Stutzerl“ kunstvoll gefertigt, wurde zertrümmert. Viele aber waren in streng gehüteten Verstecken verborgen. Das Eigentum der Vereine wurde beschlagnahmt.

Am 21.06.1948 stellte das Amt der Militärregierung (MR) fest: „Dass die Schützengesellschaften, Schützen- und Trachtenvereine nicht unter die Kontrollratsdirektive Nr. 50 fallen. Schützenvereine gelten daher nicht als Militär- oder militärähnliche Organisationen im Sinne Nr. 1 der KRD23; sie sind weder verboten, noch ist ihr Vermögen beschlagnahmt. Seiner Freigabe dürfte daher nichts im Wege stehen“.

Das war der neue Startschuss. Die erste Freude allerdings war auch getrübt, es durfte nur mit Luftgewehren, die einen glatten Lauf hatten, geschossen werden. Der Ausdruck vom „Spielzeug“ machte die Runde in Schützenkreisen, die alten Feuerschützen sahen es als Demütigung an, mit diesem Ding zu schießen. Die einschlägige Industrie war aber schnell in der Lage, sehr präzise Luftgewehre dem Markt zuzuführen. Ab 1949, örtlich war das sehr verschieden, „schnalzte“ es wieder in den Ständen und Nebenzimmern mancher Gaststätten.

1947 Bereits am 10.04.1947 formierte sich eine Gruppe von 10 Mitgliedern, um mit dem Treuhänder H. Stadtrat Grässl, langjähriges Mitglied der Gesellschaft, Wege zu suchen zu einem Neuanfang.

Die Freigabe des Eigentums war in Aussicht gestellt, das zweite Problem war eine Entschuldigung in Höhe von 15.000,- RM bzw. die Zinsleistung. Ludwig Schradin schlug vor, durch ein Darlehen der Mitglieder das Geld für die dringenden Zahlungen zu beschaffen.

1949 am 05.10. findet eine Generalversammlung statt, bei der es zu Neuwahlen kommt. Alois Hoegl wird 1., Hans Marchner 2.Vorstand. Kassier ist Josef Scheid und Schriftführer Hans Küfner, als Beisitzer fungieren Josef Gräßl, Christian Wiedemann, Josef Sterl und Anton Scheid.

Bei der Zusammenfassung der Verbindlichkeiten (nach der Währungsreform) wird eine Hypothek von DM 1.300,- und Zinsen p.a. von DM 90,- erwähnt, Grundschuldzinsen von DM 1.152,-, an Kassenbestand waren DM 92,- und eine Darlehensrückzahlung an Mitglieder von DM 40,- pro Kopf. Es wurde ein Beitrag von monatlich DM 0,50 festgesetzt, womit laufende Kosten abgedeckt werden sollten.

1950 haben sich 14 Mitglieder versammelt. Nachdem die Versammlung 1949 bereits den Grundsatzbeschluss gefasst hatte, die Gesellschaft keinesfalls aufzulösen, war es notwendig geworden, nach Möglichkeiten zu suchen, um den Schießbetrieb unter den gegebenen Bedingungen wieder aufnehmen zu können. Die Vereinsführung wird ermächtigt, Verhandlungen aufzunehmen und bestimmte, für den Bau einer Schießstätte am alten Standort nicht mehr benötigte Grundstücke preisgünstig zu veräußern.

1952 am 09.03. findet in der Brauerei Kneitinger eine Generalversammlung statt, zu der 21 Mitglieder anwesend sind. Schatzmeister Scheid gibt die Abtretung einer Grundstücksfläche von 80 qm zum Straßenbau an die Stadt bekannt. 34 Mitglieder sind bereits wieder der Gesellschaft zugehörig. Ludwig Bayerl jun. wird als Neuaufnahme bekannt gegeben. Einstimmig wird der Beschluss gefasst, dem Bayerischen Schützenbund beizutreten. Es soll die Bitte an das Fürstliche Haus gerichtet werden, das Ehrenprotektorat auch weiter der Gesellschaft angedeihen zu lassen.

1953 es wird ein Bauausschuss gewählt, der den Neubau forciert in Angriff nehmen soll, nachdem sich andere Projekte als untauglich erwiesen haben. Es scheint eine gewisse Sanierung stattgefunden zu haben, der Kassenbericht ist nicht berauschend aber positiv. Die Mitgliederzahl beträgt 31.

1954 nachdem Verhandlungen mit der Brauerei Thurn und Taxis nicht zum erhofften Erfolg geführt haben, soll versucht werden , mit dem vorhandenen Kapital von DM 50.000,- eine brauchbare, zweckmäßige Schießanlage zu errichten. Unter Führung von Marchner warnen einige Mitglieder vor Schwierigkeiten mit Anwohnern, wegen der unvermeidlichen  Lärmbelästigung. Die Mehrheit der Mitglieder vermeinte das Recht auf Wiederaufbau der Anlage auf Seiten der Gesellschaft zu sehen und so wurde der Bauausschuss beauftragt, eine Baubewilligung einzuholen. Wie sich später herausstellen sollte, eine folgenschwere Fehlentscheidung.

1956 eine außerordentliche Mitgliederversammlung findet am 04.12. im Hotel Bischofshof statt.

Über Verkauf von weiteren Grundstücken als Bauplätze (der Bebauungsplan der Stadt Regensburg war damals bereits ein den Grundzügen erstellt) in unmittelbarer Nähe der geplanten Schießanlage, berichtet 1. Schützenmeister Hoegl. Die Gesellschaft verfügte über ein Kapital von DM 64.000,-. Der Bauausschuss Hoegl und Scheid wollte „keine halbe Sache machen“, sondern auf längere Zeit eine Anlage erbauen, die neben 16 Ständen davon 11 Stück 50 m und 5 Stück 100 m aufweisen sollten, dazu Schießhalle und Schützenheim. Auch Pistolenstände waren vorgesehen. Dazu wurde die Genehmigung erteilt, noch weitere 2 Bauplätze zu verkaufen. 1957 sollte das Eröffnungsschießen in Verbindung mit dem Bezirksschießen stattfinden. Der Beitrag wurde auf DM 24,- bzw. für passive Mitglieder auf DM 12,- p.a. festgelegt.

In einem wahren Kraftakt wurde die Schießanlage erbaut, unzählige Arbeitsstunden wurden geleistet und die Vorbereitungen für das Eröffnungsschießen getroffen.

Am 18.10.1956 konnte Bauleiter Werner Wenninger mit den Mitarbeitern das Richtfest begehen.

1957 am 18.07. wurden bereits die Schießpläne, Trainingszeiten etc. aufgestellt und die Einzelheiten des Eröffnungsschießen festgelegt.

1958 am 21.04. im Hotel Bischofshof, gab Schützenmeister Hoegl rückblickend eine Übersicht über die Kosten des Neubaues, mehr als 120.000,- DM verschlang der Wiederaufbau, es waren noch unbezahlte Rechnungen im Höhe von DM 17.000,- angefallen und ein Bauzuschuss der Brauerei, der sich auf Sicht von 30 Jahre mit dem Bierumsatz abzahlen sollte. „Wir müssen sehen, wie wir aus dem Dilemma wieder herauskommen“, schreibt der Chronist. Die Mitgliederzahl war auf 61 gestiegen, die Kasse war leer. Die Neuwahlen ergaben einige Umbesetzungen, A. Hoegl blieb Schützenmeister und zum erstenmal wurde ein Schießleiter gewählt, Werner Wenninger, der in den nächsten Jahren für den sportlichen Erfolg der Gesellschaft sorgte.

1959 bei der Generalversammlung konnte ein erfreulicher Anstieg vom Schießleiter gemeldet werden, der Haushaltsplan wurde ohne Einspruch angenommen. Ein Antrag auf Ankauf eines Bauplatzes durch ein Mitglied wurde abgelehnt, mit der Begründung, dass man befürchten müsse, sich weitere Hemmschuhe für den Schießbetrieb einzuholen. Anscheinend waren die ersten Beschwerden der Anrainer schon erfolgt. Es folgten noch Anträge auf Teilnahme an Intermatch-Wettkämpfen und ein Bezirkssportleiter sollte Jungschützen im KK-Schießen ausbilden. H. Scheuerer und L. Schradin werden zu Ehrenschützenmeistern ernannt.

1960 erste Versammlung im fertiggestellten Schützenheim am 13.03. Es wird angeführt, dass ein weiteres Straßengrundstück an die Stadt verkauft und mit dem Erlös eine Hypothek gelöscht wurde.

Die Neuwahlen ergaben keine wesentlichen Änderungen. Der Schießbetrieb war rege, der Modus  für die Vereinsmeisterschaft wurde festgesetzt und der Samstag als Schießtag bestimmt. Es wird berichtet von einem guten Besuch der Anlage, sowie eines End- und Martinischießens. Einige Ehrenmitglieder hätten dazu Scheiben gestiftet. Am 6.Januar werden die Feierlichkeiten anlässlich des Eröffnungsschießens erwähnt, ebenfalls eine Faschingsveranstaltung am 21.Februar. Bei Neuaufnahmen fallen Namen wie Drs. L. u. W. Hein, Heribert Helmich, W. Müller auf. Mathias Albrecht wurde Ehrenmitglied.

Ein Protokoll der Hauptversammlung vom11.03.1963 fehlt.

1962 Am 7.Juli außerordentliche Generalversammlung. Hauptthema war, wie das Grundstück Plan - Nr. 112 am geeignetsten vermarktet werden sollte. Ursache solcher Überlegungen war, dass die jährliche Grundsteuer von DM 167,- auf DM 2.670,- erhöht worden war. Eine Landwirtschaftliche Nutzung bringe keine kostendeckende Einnahme, stellte Schützenmeister Hoegl fest. Nach entsprechender Diskussion wurde mit 27:3 Stimmen für die Verwendung im Erbbaurecht entschieden. In diesem Sinne wurde der Ausschuss beauftragt, mit geeigneten Personen Verbindung aufzunehmen. Eine Satzungsänderung „dass bei Auflösung der Gesellschaft das vorhandene Vermögen an die Stadt Regensburg fällt“ wurde einstimmig beschlossen.

1963 3.März. Die Versammlung ist von 32 Mitgliedern besucht, die Neuwahlen bestätigen 1. Schützenmeister Hoegl im Amt, als Kassier Kurt Feulner. Schriftführerin Frl. Martha Hermann, wurde als erste Frau in der Geschichte der Gesellschaft in das Schützenmeisteramt gewählt. Als Beisitzer wurden G. Schätz und H. Helmich berufen. Abteilungsleiter Pistole wird Herr Helmich.

1964 26 Mitglieder begrüßte Schützenmeister Hoegl zur Generalversammlung am 22.Februar, der 1959 in Betrieb genommene Pistolenstand war per 16.05.1963 gesperrt worden. Derzeit kann nur noch auf 50 m Scheibenpistole geschossen werden. Eine Initiative zur Lärmdämpfung wird von H. Hoegl angekündigt. 2.Schützenmeister wurde H. F. Gruber, Frl. Hermann Schriftführerin und Max Hofmann fungierte als Beisitzer. Das Pachtverhältnis mit dem KSV wurde erörtert. Im Laufe der Versammlung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen über die „Standfrage“, die nicht näher beschrieben sind und in den Verlauf einige Mitglieder die Versammlung verließen.

1964 22.Juni, die außerordentliche Generalversammlung beschäftigte sich mit Fragen des Vertrages mit der GAGFA (Baugesellschaft). Die Erbbauangelegenheiten und die sich für die Gesellschaft ergebenden Konsequenzen mit der Bebauung, standen im Vordergrund der Diskussion. Schließlich wurde dem Abschluss des Vertrages grundsätzlich zugestimmt.

1965 am 10.04. eröffnete der 1.Schützenmeister Hoegl anfangs der Generalversammlung seinen Rücktritt . Er gibt bekannt, dass sich die Beschwerden, bezüglich der Lärmbelästigung in letzter Zeit häufen, insbesondere von den Erbbauberechtigten. Herr Gruber gab einen Leistungsbericht der Schützen.

Die Neuwahl hatte folgendes Resultat: 1.Schützenmeister Max Hoffmann, Kassier K. Schlelmann. Herr Seitz übernahm das Amt des Schießleiters. Gerhard Schätz beantragte einen Fond für Munitionsbeschaffung zu Gunsten der Kampfschützen. Es wurde beschlossen einen Wall anzulegen, als erste Maßnahme gegen Lärmbelästigung der Nachbarschaft. Dem scheidenden A. Hoegl war der letzte Vertreter der alten Vorkriegsgenerationen aus dem Amt ausgeschieden. H. Bauer wurde zum Ehrenmitglied gewählt.

1966 19.03. Schützenmeister Max Hoffmann eröffnete die Generalversammlung. Seinem Bericht ist zu entnehmen, dass mit hohen Kosten zwei Erdwälle erstellt wurden, wegen des Lärmes. Herr Seitz gab einen sehr positiven Bericht über das Sportjahr, das gekennzeichnet war von einer Standsperre wegen des Baues des Erdwalles. Hier wird auch erstmals wieder Ludwig Bayerl sen. Genannt, der seinen 80. Geburtstag feierte und geehrt wurde. Ein Antrag auf Verkauf des „Dreispitzackers“ wurde zugestimmt. Ein Antrag der GAGFA, das Gelände zwischen Vereinsheim und Gauschützenheim zu pachten oder zu kaufen, wird abgelehnt. Auf Antrag des Dr. Wild und Gerhard Schätz werden DM 3.000,- für die Kampfschützen im Haushalt bereitgestellt.

1967 01.04. Eingangs wurde des Ehrenschützenmeisters A. Hoegl gedacht, der unerwartet verstarb.

Im Mittelpunkt stand das Jubiläumsschießen zum 525. Bestehen der Gesellschaft. Zum Festabend waren der Vizepräsident des DSB H. Jungnickl und 3. Landesschützenmeister H. Merkl erschienen.

Zum 2. Schützenmeister wurde kommissarisch Herr Gerhard Schätz gewählt, für den ausgeschiedenen F. Gruber. Ein Glanzpunkt besonderer Art war der Sportbericht von Schießleiter Werner Wenninger. 35 erste Plätze wurden bei der Gau- und Bezirksmeisterschaft errungen, in Einzel- und Mannschaftsschießen 1966. Besonders wurde die Leistung von Altmeister Bayerl sen. Hervorgehoben.

Schützenkönige 66/67 wurden G. Schätz bei Gewehr und Herbert Leitner bei Pistole. Bei der Neuwahl wurde Max Hoffmann und K. Schegelmann wiedergewählt.

Änderungen des Trainingsmodus, Reparatur und Verbesserungen am Schützenheim, die Einfriedung des Geländes, Erstellung des Parkplatzes, wurden beschlossen bzw. die Erledigung dem Ausschuß übertragen.

1968 45 Mitglieder kann Schützenmeister Hoffmann begrüßen.

Vom größten sportlichen Erfolg kann Sportleiter Wenninger berichten.

Deutscher Meister im Luftgewehr – Karl Schegelmann mit 581 Ringen.

Auch die Bilanz der Bayerischen Meisterschaft ist ansprechend. Schegelmann 3.Platz in KK-Englisch Match, Walter Kammermeier bei den Junioren mit Zimmerstutzen 3.Platz und Ludwig Bayerl jun. Einen 2.Platz mit Luftgewehr in der Altersklasse.

27 Gau- und Bezirksmeister bei Einzelwettbewerben, 16 Mannschaftssieger. Die Pistolenabteilung unter H. Helmich macht von Jahr zu Jahr Boden gut gegenüber den Gewehrschützen.

Gerhard Schätz wird 2. Schützenmeister, Schriftführerin Frau Schätz. Wenninger und Helmich werden in ihren Ämtern bestätigt, Gerhard Kunzelmann wird Leiter der Gewehrschützen. Ein Vertragsabschluß mit dem Gau wird den Führungsgremium zugewiesen.

1969 Der Sportbericht ist wieder ein Aktivposten für das Trio Wenninger – Helmich – Kunzelmann.

18 Einzel- 11 Mannschaftssiege bei Gau- und Bezirksmeisterschaften. 2.Platz Luftgewehr Mannschaft bei der „Bayerischen“. Bei der Bezirksmeisterschaft hatte die LG Mannschaft Hößl, Schegelmann, Schätz und Prinz mit 1114 Ringen einen neuen bayerischen Rekord aufgestellt. Die Pistolenschützen unterstrichen ihren Aufwärtstrend durch gute bis überdurchschnittliche Ergebnisse und zahlreiche 1.Plätze. Der Wandel der Hauptschützen zur auf breiter Basis stehenden Leistungssportgesellschaft war unverkennbar. Nur die Probleme mit den Anliegenden wurden immer größer und böse Ahnungen machten sich bei den Mitgliedern breit.

1972 45 Mitglieder erschienen am 6.Mai zur denkwürdigsten Generalversammlung in der jüngeren Geschichte der Hauptschützengesellschaft. 1.Schützenmeister Gerhard Schätz musste den Mitgliedern verkünden, dass die Schießanlage im Schützenheimweg unter dem Druck der Anrainer und durch die sich immer mehr ausweitende Bauerschließung, nicht mehr zu halten war. Schützenmeisteramt und Ausschuss hatten, die Dringlichkeit der Standortveränderung erkennend, bereits einen anderen Standortvorschlag parat, TREMMELHAUSEN.

Wahlausschussvorsitzender Werner Wenninger musste mit Engelszungen reden, um in dieser Situation kurz vor Mitternacht ein neues Schützenmeisteramt präsentieren zu können, in der Besetzung:

1.Schützenmeister Josef Schlicksbier, 2.Schützenmeister Egon Köberl, Schatzmeister Josef Leitner, Schriftführer Hans Engelberger.

Die Versammlung erteilte dem neu gewählten Vorstandsgremium eine Handlungsvollmacht, für alle mit dem Neubau notwendigen Verhandlungen und Unternehmungen. Ein Bauausschuss wurde ernannt, Werner Wenninger wurde Bauleiter. Verantwortlicher Architekt wurde Herr Kleiböhmer, der seine Erfahrung vom Bau der Olympia Schießanlage in Hochbrück mit einbrachte. Eine vorläufige Kostenerstellung veranschlagte den Neubau mit 1,5 Millionen. Der Hauptteil der Kosten musste durch den Verkauf von Grundstücken in Prüfening erbracht werden. Auf dem 32.000 qm großen Grundstück in Tremmelhausen, sollte eine optimale, alle Sportdisziplinen umfassende Anlage mit Schützenheim entstehen. Als Termin für die Inbetriebnahme wurde der Mai 1974 fixiert.

1373 erinnern wir uns, wurde vom hohen Rat der Stadt den Bürgern verordnet, aus den Büchsen zu schießen

1973 genau 600 Jahre später schickten die Nachkommen jener Schützen sich an, die Mauern und Burgfrieden der Stadt Regensburg, unter dem Druck der Öffentlichkeit, zu verlassen.

1973 Am 24.11.1973 im Kolpinghaus, musste Josef Schlicksbier seinen 41 erschienenen Mitgliedern eröffnen, dass die Erdarbeiten und der Rohbau im Gange war, aber die Kosten für die Erdarbeiten sich erhöht hatten, da eine eingeplante Gelegenheit diese Arbeiten besonders preisgünstig abzuwickeln, sich zerschlagen hatte. Außerdem sei für ein Grundstück in Prüfening, für das die Oberpostdirektion eine Option hatte, bislang keine Baugenehmigung seitens der Stadt Regensburg erstellt. Somit stünde das eingeplante Kapital nicht zur Verfügung, das Projekt Neubau laufe Gefahr, eingestellt zu werden. Eine Zwischenfinanzierung wurde wegen der anfallenden Zinsen, die sich auf die Bausumme negativ auswirken würde, abgelehnt.

 Nun seit dieser Zeit weiß man bei der HSG, dass man in den Amtsstuben der Stadt die Wertigkeit des Sportes nicht annähernd so hoch einschätzt, wie es Kommunalpolitiker zuweilen bei öffentlichen Anlässen glauben machen wollen.

Der Bau musste eingestellt werden, die Finanzierungslücke war in der gebotenen Eile nicht zu schließen.

 1974 am 13.07. in der Generalversammlung im Hotel Bischofshof, sprach Schützenmeister Josef Schlicksbier von einer Verzögerungszeit von ein ein halb Jahren. Die Baupreise stiegen, die Kalkulation musste neu erstellt werden, die Frage stellte sich, den Bau dem Rahmen der ersten Kostenrechnung anzupassen, also zu verkleinern, oder die Mehrkosten bei Beibehaltung der geplanten Kapazität, auf sich zu nehmen. Die Versammlung entschied sich für die Mehrkosten und die anfangs eingeplante Bauausführung. Der Neubau hatte eine Welle der Mitarbeit ausgelöst, es herrschte fast eine euphorische Stimmung, die jetzt eine weitere Motivation erhielt: „und jetzt erst recht“. Und sie schaffen es.

1975 verkündete Schützenmeister Schlicksbier, am 24.10. in der Generalversammlung, „in einigen Tagen wird das offizielle Anschießen stattfinden“. 20 Pistolenstände, eben so viele Gewehrstände, ein großzügiges Schützenheim, waren erstellt. Über 4000 freiwillige Arbeitsstunden waren geleistet worden, die dazu halten, die Kostensteigerungen unter die 10 % Grenze zu drücken. Verständlich, dass man mit Stolz erfüllt war. Entsprechend war auch der Dank des Schützenmeisters an seine Mitarbeiter in der Vorstandschaft, dem Bauausschuss, Bauleiter Werner Wenninger , sowie den zahllosen Mitgliedern, von denen er Heribert Helmich und Rudolf Böhme stellvertretend für alle besonders nannte. Die Fertigstellung der Schießstände für Luftdruckwaffen und Zimmerstutzen sowie der Außenanlagen, erfolgte wenige Monate später.

Die Welt der Hauptschützen war wieder rundherum in Ordnung.

Aber die lange Unterbrechung hatte auch einen kolossalen Substanzverlust, besonders bei den Gewehrschützen, nach sich gezogen. Die Leistungsträger waren abgewandert, die Nachteile des abgelegenen Standortes ohne jegliche Verkehrsanbindung, eine durch die höheren Unterhaltungskosten bedingte 50%ige Beitragserhöhung, zeigten doch negative Auswirkungen auf einige Sektoren des Vereinslebens.

1978 am 15.07. konnte Schützenmeister Schlicksbier einen neuen Höchststand von 223 Mitgliedern vermelden. Die Abschlussbilanz der Baukosten einschließlich eines großzügigen Innenausbaues wurde mit DM 1.639.000,- beziffert. Die Gesellschaft war schuldenfrei, der Geschäftsbericht war positiv.

In diesem Jahr konnte die Schülermannschaft: Klaus Schlicksbier, Peter Helmich und Michael Zenger einen 2.Platz im Luftgewehr bei der Deutschen Meisterschaft erringen, bei den Junioren LG-Dreistellungskampf wartete ebenfalls Albin Schierlinger mit einem 2.Platz auf. Aber die bayerischen Meisterschaften weisen in den Platzierungen einen Trend zu Gunsten des Pistolenschießens auf.

1982 erringt Klaus Schlicksbier bei den bayerischen Meisterschaften im Luftgewehr-Dreistellungskampf letztmals einen 1.Platz für die LG-Schützen, Albin Schierlinger einen 3.Platz mit Zimmerstutzen in der Schützenklasse. Von nun an dominieren die Pistolenschützen, die zu den Leistungsträgern der Gesellschaft werden.

Emilie Beck-Bauer ist die einzige Gewehrschützin, die in die Phalanx einzubrechen vermag. Sie holt auch den bislang letzten 1.Platz bei der Deutschen Meisterschaft 1984 mit dem Perkussionsgewehr.

Im Laufe der nächsten Jahre resultieren die Erfolge bei den bayerischen Meisterschaften fas ausschließlich aus den Disziplinen SPORTPISTOLE und VORDERLADER PISTOLE und REVOLVER. Auch eine Verschiebung der Erfolge auf Alters- und Seniorenklasse ist erkennbar.

Die einstige Dominanz, die Gewehrabteilung, wird zum Sorgenkind, allgemein fehlt der Nachwuchs bei den Schülern, Jugend und Junioren.

Das Schützenmeisteramt versucht mit gezielten Aktionen gegensteuern. Das Mindest-Eintrittsalter wird gesenkt auf 10 Jahre, aber Vergünstigungen für Schüler, Jugendliche und Junioren und auch die Einsetzung von Jugendleitern greifen nicht. Während die Entwicklung auf Gauebene einen quantitativen und qualitativen Trend verzeichnet, findet sich in Tremmelhausen trotz optimaler Bedingungen der Nachwuchs nicht ein, im Gegenteil, Schule, Berufsausbildung und Militärdienst sind Ursache, dass der eigene Nachwuchs auf ein Minimum reduziert wird. Die Mitgliederzahlen steigen aber doch weiter an und bei der Generalversammlung am 08.04.

1989 weist Schützenmeister Schlicksbier einen Bestand von 262 Mitgliedern aus.

Nach 17-jähriger Tätigkeit beendet Josef Schlickbier seine Amtszeit, mit ihm gibt nach 8 Jahren positiver Arbeit auch Schatzmeister Josef Fehlner seine Funktion ab.

Sie übergeben eine Hauptschützengesellschaft an ihre Nachfolger, die eine gesicherte Basis aufweist und zukunftsorientierten Innovationen breiten Raum lässt. Die Versammlung ehrte die Verdienste von Josef Schlicksbier um die Gesellschaft, mit der Benennung zum Ehrenschützenmeister. Sicher zählt seine Ära mit zu den erfolgreichsten in der Geschichte dieser Schützengesellschaft.

Sein Nachfolger im Amt, Albert Mühlbauer, hat die ersten 3 Jahre seiner Tätigkeit mittlerweile genutzt, um vorwiegend administrative Veränderungen vorzunehmen. Die Elektronik hält mit Vehemenz Einzug in das Vereinsleben.

Aber auch gesellschaftliche und sportliche Initiativen zeigen positive Auswirkungen.

Im Vordergrund aller Bemühungen stehen die organisatorischen Aufgaben für die Durchführung des 550-jährigen Jubiläums. Die Meßlatte der Erwartungen liegt sehr hoch. Verständlich, das die Planungen und Weichenstellungen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Hauptschützen etwas in den Hintergrund getreten sind.

Nach dem Fest ist aber ein akuter Handlungsbedarf gegeben.

Die Geschichte der Hauptschützengesellschaft, besonders die jüngere Vergangenheit, hat gezeigt wie fatal die Folgen eines Verharrens in alten Positionen sein kann. Der permanente Wandel im Schützenwesen hat durch moderne Entwicklung eine technisch – apparative Komponente erhalten. Noch Bestehendes wird dadurch in naher Zukunft der Vergangenheit zugeordnet werden.

Neue Formen anspruchsvoller Freizeitgestaltung werden auch im Bereich des Schützensportes ihren Einzug halten. Die Entstehung moderner Schießanlagen im bisherigen traditionellen Einzugsbereich der Hauptschützen, sind eine weitere Herausforderung die sich stellt. Aber auch im Nachwuchs, der bereit ist sich durch persönliches Engagement den hohen Anforderungen des Leistungssportes zu stellen, wird Antwort auf offene Fragen suchen. Ein komplexes Aufgabengebiet wird zu bewältigen sein, dessen Lösung die Bereitschaft und die Mitarbeit aller Mitglieder fordert.

Tradition im Schützenwesen ist unbestritten, aber ohne die regenerierende Kraft der ihr verpflichteten Generationen der Gegenwart würde sie ihre Ausstrahlung und ihren Anspruch an die Zukunft verlieren.

So gesehen ist Tradition Verpflichtung zu stetem Wandel.

 

Nicht die Menschen passen sich dem Sport an,

sondern das Sportangebot muss sich den Bedürfnissen der Menschen anpassen.

 

(Infoblatt – Deutsche Schützenjugend)